Nur für Eltern
Liebe Eltern,

aus jahrelanger Erfahrung ist es mir wirklich wichtig, euch folgende Denkanstöße zu geben:

Wir alle lieben unsere Kinder und wollen nur das Beste für sie.

Wir meinen, die jungen Erwachsenen vor Fehlern beschützen zu müssen, die sie einmal bereuen könnten. Mit aller Gewalt kann man dies versuchen und letztlich kommen sie doch zu ihrem Willen.

Wir kennen das alle: Sanktionen nutzen nichts, selbst der noch so Brave bricht irgendwann aus dem Muster aus und beugt sich dem Druck der Masse.

Wenn man denn irgendwann zustimmt

Zum Thema Piercing heißt das für mich Folgendes: Wenn ein unter 14-Jähriger ein Piercing will, gibt es nur eine Antwort: „NEIN“, warte, bis du alt genug bist.

Ab dem 14. Geburtstag ist man laut BGBI alt genug, ein Piercing mit Erlaubnis der Eltern stechen zu lassen, wenn der Piercer eine Gewerbeberechtigung hat (ausgenommen Brustwarze und Intim).

Also steht man vor einem Problem: Rechtlich wäre das Piercing vertretbar und genehmigt, aber man will als Elternteil dem Piercen nicht zustimmen. Nun beginnt der lange Kampf der Teenager, die täglich betteln, tausende Gründe und Freunde benennen, um zu belegen, warum das Piercing lebensnotwendig und für die soziale Anerkennung unabdingbar sei.

Ein paar Wochen, Monate oder eventuell Jahre mag man dem Betteln standhalten, aber irgendwann gibt man nach und lässt den jungen Erwachsenen ihren Willen – sie müssen lernen, Dinge selbst zu verantworten. Zum Glück sind Piercing-Narben sehr klein, kaum sichtbar und können durch verfahren wie die Dermabrassion (wir bieten das an) fast unsichtbar gemacht werden, was gerade im Gesicht wichtig ist.

Wenn man als Eltern dem Piercing zustimmt, ist es wichtig, die Jugendlichen nicht irgendwohin zu schicken, sondern ein seriöses und hygienisches Studio zu suchen, das sich an die Gesetze hält, aber auch qualitativ hochwertig arbeitet, denn niemandem hilft ein schiefes Nabel-Piercing. Hierzu haben wir alle nötigen Tipps für euch gesammelt:

Man sollte als Eltern immer mitgehen oder das Studio vorher besuchen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man dort nach beiden Ausweisen fragt, also nach dem des Elternteils und nach dem des Jugendlichen, und dass man diese auch prüft, bevor beide die Einwilligung unterschreiben, sonst ist man bei einem Pfuscher gelandet, denn mündliche bzw. telefonische Einwilligungen gelten nicht.

Wenn man vehement hart bleibt und NEIN sagt
Nein heißt Nein. Auch wenn die Jugend täglich fragt, es bleibt bei einem Nein zum Piercing.

Gut, das ist eine konsequente Erziehung, aber äußerst gefährlich, denn folgendes passiert irgendwann garantiert: Die Jugendlichen, die ein Piercing wollen, bekommen es. Früher oder später, so oder so, mit oder ohne Wissen der Eltern bzw. deren Einverständnis.

Wie kann das sein? Ganz einfach, der Druck in der eigenen Gruppe aus Freunden und Vorbildern, der Star, den man anhimmelt, die große Schwester – jeder, einfach jeder hat ein Piercing und findet es cool. Bald will der junge Erwachsene nichts sehnlicher als ein Piercing.

Anfangs kann man dem reichen Angebot an Pfuschern widerstehen, der Respekt vor den Eltern ist zu groß. Nach und nach, durch Freunde und das damit verbundene Social Networking, kann der Teenager nicht mehr anders, gibt dem Wunsch nach, akzeptiert die Konsequenzen und angedrohten Sanktionen und sucht sich einen Weg, um das Piercing zu bekommen.

Wie sieht der Weg aus? Wie kommen die Kids dennoch zum Piercing?
Entweder, sie gehen zu einem Pfuscher, der für Geld einfach sticht, egal, wie alt die Kids sind.

Oder sie gehen in ein bekanntes Studio, das offiziell zwar keine Piercings ohne elterliche Einwilligung sticht, aber inoffiziell für Bares alles tut, was die Kids gern hätten.

Der nächste geht zu einer Bekannten, die etwas älter ist und – cool – in der Schule Piercings auf dem Klo sticht.

Ein andere meint, es besser zu machen als die ersten und geht zu einem Arzt, der aber kein Piercer ist. Ein Arzt darf ohne Einwilligung der Eltern genauso wenig piercen wie ein Piercer, denn ein Piercing ist kein medizinischer Eingriff – zumal Ärzte ohne diese spezielle Ausbildung die mit Abstand schlechtesten Piercer sind.

Alle Wege zum Pfuscher sind schlecht, denn jeder, der einen Minderjährigen oder Mündigminderjährigen ohne die Einwilligung der Eltern pierct, ist jemand, der sich nicht an die geltenden Gesetze hält. Er macht sich strafbar. Nur kommt der Täter meist ungeschoren davon, denn wo kein Kläger, da kein Richter und die Kids halten meist den Mund bzw. verraten den Piercer nicht.

Was übrigbleibt, ist ein verstochenes Piercing, ein schiefer Haussegen und, wenn man nicht sehr viel Glück hat, eine Infektion, denn die besagten Personen arbeiten meist unhygienisch.

Fazit:
Wenn Kinder den Wunsch nach einem Piercing haben, ist der beste Weg ein klares Gespräch.

Es gilt, die Gründe zu erfahren, zu sehen, ob die Kinder bereit sind, die Verantwortung für die Pflege zu übernehmen und das Piercing wirklich wollen.

Zusammen kann man dann ein Abkommen finden und eine Überlegungsfrist setzten, z. B. 6 Monate. Wenn der Wunsch dann noch da ist und das Zeugnis passt, dann stimmt man zu. Die Suche nach einem Studios habe ich ausführlich erörtert. Mit den Kindern zusammen ein Studio auszuwählen, ist der beste Weg, denn beide sollen sich Wohlfühlen und Eigenverantwortung seitens des Jugendlichen sollte bei der Studiowahl geprüft werden.

Am Ende sollte man den Weg gemeinsam gehen, sich ein Bild von allem machen und zuletzt ein Piercing stechen lassen. So ist die elterliche Fürsorge gewährleistet und man kann ruhigen Gewissens schlafen.