Jeder kennt es und jeder weiß, was es ist.

Das Zungen-Piercing geht von oben nach unten durch die Zunge. Das klingt sehr einfach – ist es aber nicht.

Ein Zungen-Piercing bei einem Profi stechen zu lassen, ist kein Problem; wer aber meint, das könne jeder, der kann sich viel Ärger einhandeln, denn man muss neben der exakten Platzierung bei jedem Kunden die eigene Anatomie und den passenden Winkel sowie den Abstand zur Zungenspitze passgenau einschätzen.

Wenn alles passt, ist das Zungen-Piercing eines der wohl interessantesten Piercings, die man tragen kann, zumal es nicht nur dem Träger Spaß und viel Freude macht, sondern auch denen, die damit in Berührung kommen.

Geschichte:

Das schmückende Zungen-Piercing etablierte sich erst während der 90er Jahre im westlichen Kulturkreis. Dabei sollen die Sängerin Melanie Brown der Band Spice Girls sowie innerhalb der Technoszene Keith Flinth, Sänger und Tänzer der Band The Prodigy, maßgeblich zur Popularisierung beigetragen haben

Das Durchstechen der Zunge ohne das dauerhafte Tragen von Schmuck war in mehreren früheren Kulturen als religiöses Ritual bekannt. Laut Berichten spanischer Eroberer aus dem 16. Jahrhundert sowie überlieferter Steinreliefs wurde in Mittelamerika neben Ohren, Wangen und Genitalien auch die Zunge als Opfergabe und zur innerlichen Reinigung durchstochen.

In der thailändischen Stadt Phuket findet seit 1825 jährlich das Vegetarian Festival statt, bei dem sich die Teilnehmer im Rahmen einer Götterbeschwörung in Trancezustände versetzen und während einer Prozession Schwerter, Äste, Eisenstangen oder Alltagsgegenstände mit teilweise erheblichem Durchmessern durch die Zunge oder andere Körperstellen stechen.

Eine ähnliche Tradition wird jährlich in Malaysia im Januar/Februar auf dem Thaipusam-Fest zelebriert.

Abheilung und Pflege:

Der Heilungsprozess eines Zungen-Piercings variiert von 21 Tagen bis 2 Monaten bis zur vollständigen Heilung, selten dauert es noch länger. Wie andere Oral-Schleimhaut-Piercings sollte es mindestens in den ersten 3 Wochen zweimal täglich mit ProntoLind-Mundspray gereinigt und danach mit ProntoLind-Mundspülung gespült werden.

Wichtig hierbei ist, die gepiercte Stelle sowie das Piercing nur mit gewaschenen und desinfizierten Händen anzufassen, wobei man am besten die Hände aus dem Mund lässt.

ProntoLind-Mundspray schmeckt sehr gut und sorgt für einen frischen Atem. Es ist sehr gut für unterwegs und sollte nach jeder Mahlzeit verwendet werden, um das Piercing zu desinfizieren und zu reinigen.

Desinfektionsmittel auf Alkohol- oder Chlorbasis sollten vermieden werden. Mundspülungen sind kein Ersatz für die angesprochene Pflege und sollten ebenso vermieden werden.

Die richtige Ernährung für Piercings im Oralbereich ist einzuhalten; diese findet man auf der Pflegeanleitungsseite.

Schmuck:

Es werden sogenannte Barbells getragen, dass sind gerade Stäbe. Je nach Dicke der Zunge können längere oder kürzere Stecker getragen werden (12–22 mm).

Zu beachten:

Der Piercer muss beim Stechen darauf achten, das Zungenbändchen nicht zu verletzen, mit dem die Zunge am Unterkiefer verwachsen ist. Auch muss darauf geachtet werden, dass die Position des Piercings nicht dazu führen kann, die Zähne zu Zwei Zungen-Piercings hinter einander gestochen beschädigen. Während ein Piercing in der Mitte der Zunge zwischen den beiden Zungenmuskeln verläuft, wird ein Piercing außerhalb der Mitte direkt durch einen der Muskel gestochen. Das sollte daher nur von erfahrenen Piercern durchgeführt werden.

Zu einem Verlust der Geschmacksempfindung kann es jedoch nicht kommen, da die Geschmacksknospen seitlich (links und rechts) außen an der Zunge liegen und das gewöhnliche Zungen-Piercing in der Mitte zwischen den beiden Zungenmuskeln gestochen wird.

Variationen

Es gibt hierbei einige Variationen, die wir hier auf jeden Fall erwähnen sollten:

Tongue Ring Piercing

(übersetzt: „Zungenring-Piercing“) Hier trägt man einen Ring durch die Zunge.

Dieser muss groß genug sein und zudem darf die Zunge nicht zu tief gepierct sein.

Zungen-Surface Piercing

Oberflächen-Piercings auf der Zunge, quer und längs zur Zunge

Horizontales Zungen-Piercing

Ein Zungen-Piercing, welches nicht von oben nach unten, sondern von links nach rechts gestochen wird.

Das horizontale Zungen-Piercing ist, anatomisch bedingt, nicht bei jedem durchführbar und kann auch Sprechprobleme zur Folge haben.

Venom-Zungen-Piercing

Venoms sind nichts anderes als 2 parallele Piercings. Sie sind auch unter dem Namen ‚Snake-Bites‘ bekannt, wenn sie an der Unterlippe gestochen werden.

Venoms kann man auch in der Zunge tragen. Sie sehen einfach toll aus und sind viel seltener als normale Zungen-Piercings.