Hier wird entweder brav gedehnt was sehr mühsam sein kann, oder man pierct das Läppchen etwas größer, um gleich etwas schneller voranzukommen. Das Maximalmaß, mit dem man am Anfang gepierct werden kann, sind 2,0 mm.

1. Do it yourself:

Das einfache Dehnen des Stichkanals erfordert meist viel Geduld, da das Gewebe zwischen den einzelnen Schritten einige Wochen benötigt, um sich zu lockern bzw. zu weiten und bei weiterer Vergrößerung nicht einzureißen. Man dehnt in mm-Schritten und ganz sanft. Der gedehnte Stichkanal bildet sich nach dem Herausnehmen des Schmucks jedoch nach einiger Zeit wieder um einige mm zurück. Wenn zu schnell gedehnt wird, was bei fast allen Kunden zu beobachten ist, die selbst dehnen, reißt das Gewebe kaum merkbar bzw. minimal ein und es kommt zu Infektionen. Auch wird das Gewebe dahingehend beschädigt, dass es sich rückbildet und immer dünner wird.

Beim Selbstdehnen geht meist mehr schief, zumindest langfristig.

Das Geheimnis ist, dass selbstgedehnte Ohrlöcher meist nie mehr ganz zurückgehen, sich die Löcher also nicht mehr schließen und dies dann ein Chirurg mit Nadel und Faden für ca. 600€ bis 1000€ pro Loch zunäht. Das sind Kosten, die man sich sparen kann, wenn man den Bereich in einem Piercing-Studio dehnen lässt. Nebenbei ist ein zugenähtes Loch alles andere als ansehnlich.

2. Punchen:

Eine weitere Methode der Körpermodifikation, um größeren Schmuck tragen zu können, ist das sogenannte Dermal-Punchen oder einfach „Punchen“, wobei kein bereits vorhandener Stichkanal vergrößert, sondern ein entsprechend großes Loch direkt herausgestanzt wird. Meist wird diese Methode in der Ohrmuschel bevorzugt, da sich Knorpelgewebe nur sehr schlecht dehnen lässt. Zudem verläuft der Heilungsprozess in der Regel zügiger, da weniger Druck auf den Schmuck wirkt.

Als Größen stehen 1,2–2,0 mm-Kanülen oder 1,5- und 2,0 mm Dermal-Punchs zur Verfügung.

Wir punchen die Ohrläppchen und Ohrknorpel nicht mehr, da es kontraproduktiv ist. Stattdessen stechen wir mit einer sterilen Nadel in 1,2 oder 1,6 oder 2,0 mm Durchmesser und setzen dann auch gleich einen passenden Schmuck bzw. Tunnel ein.

Nach einer Wartedauer von 6 Wochen können die Kunden in 2- bis 4-wöchigen Schritten zu uns zum Dehnen ins Piercing-Studio kommen. Der Vorteil liegt darin, dass es zu keinen Komplikationen und Infektionen kommt.

3. Ab zum Profi:

Aus meinem Berufsalltag und der jahrelangen Erfahrung kann ich nur allen raten, ein Ohrloch ganz langsam zu dehnen.

Es ist hingegen sehr empfehlenswert, in einem Piercing-Studio die Ohren dehnen zu lassen, denn so

Der Ablauf ist simpel: Man sticht das Piercing oder einen Tunnel am besten mit 2,0 mm. Danach wartet man 6 Wochen und pflegt derweil das Piercing gut.

Danach beginnt man, im Studio zu dehnen, anfangs eher in 1 mm-Schritten, später dann unter Umständen (je nach Gewebe) in 2 mm-Schritten.

Die Dehn-Sessions finden dann in der Regel alle 2–4 Wochen statt (je nachdem, was der Piercer individuell empfiehlt).

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: kein Bluten, keine Infektion und keine Probleme beim Wechseln. Wenn man sich einmal von dem gedehnten Loch verabschiedet, heilt es in den meisten Fällen auf die am Anfang gestochene Größe zurück.

Abheilung und Pflege:

Der Heilungsprozess eines gedehnten Piercings variiert von 3 bis 8 Monaten bis zur vollständigen Heilung, selten dauert es noch länger. Wie andere äußere Piercings, sollte es mindestens in den ersten 3 Wochen zweimal täglich mit ProntoLind-Spray gereinigt und danach mit ProntoLind-Gel bestrichen werden.

Wichtig hierbei ist, die gepiercte Stelle sowie das Piercing nur mit gewaschenen und desinfizierten Händen anzufassen. Mit der richtigen Pflege und den richtigen Pflegemitteln kann dem bei Knorpel-Piercings gern auftretenden Wildwuchs (auch wildes Fleisch genannt) entgegengewirkt werden.

Desinfektionsmittel auf Alkohol- oder Chlorbasis sollten vermieden werden.