Finger weg von Cheek Piercings.

Sie sind nicht sehr verbreitet und es stechen sie auch nur wenige Piercer. Zum Glück.

Wir könnten ein Cheek Piercing stechen, das Know-how ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass man als erfahrener und seriöser Piercer weiß, dass sich Cheeks IMMER entzünden und dies auch ein nie endender Teufelskreis bleiben wird.

Da hilft nicht der beste Piercer der Welt, auch nicht die beste Pflege und auch kein noch so penibler Kunde. Es ist es ein wirklich gefährliches Piercing, von dem man Kunden abraten MUSS.

Warum?

In der Wange verlaufen einige wichtige Nerven (Nervus Facialis), Adern und Gefäße (große Gesichtsarterie) sowie wichtige Muskeln. Schon deren kleinste Verletzung birgt gesundheitliche Risiken bzw. führt sie oft zu irreparablen Schäden.

Während eine Sepsis (Blutvergiftung) bei allen anderen Piercings aus meiner Sicht in Europa und bei der Durchführung bei einem guten Piercer ausgeschlossen werden kann, so ist sie bei Cheeks wirklich im Bereich des Möglichen und viele Kunden sind schon ganz knapp an einer vorbei geschlittert.

Wenn eine Sepsis droht oder Lähmungen im Gesicht auftreten, ist ein Krankenhaus-Aufenthalt die Folge.

Eine zu 100% verbleibende und irreversible Nebenwirkung sind Einbuchtungen in der Wange durch das Cheek. Diese sehen, solange man den Stecker drin hat, zwar so ähnlich aus wie ein Grübchen (deswegen machen das ja manche Lebensmüden trotz allem, was hier mitgeteilt wird), doch wird es nie ein Grübchen sein, denn wenn der Stecker entfernt, bleiben ein kleines Loch und eine Delle im Gesicht, was eher an eine Unfallnarbe als an ein schönes Grübchen erinnert.

Von den Schäden durch das Kauen an den Zähnen spreche ich erst gar nicht; hier muss man Zahnärzten recht geben, die dieses Piercing ebenfalls ablehnen.

Dass Zahnärzte andere Piercings wie Labret, Zungen-Piercing und Lippenband ablehnen, kann ich jedoch mit meiner Erfahrung nicht verstehen; auch bestätigen uns Zahnärzte, dass diese Piercings bei richtigem Umgang und Schmuck kein Problem darstellen.

Wer immer noch Lust auf ein Cheek Piercing hat, wird sich wohl an ein unseriöses Studio wenden müssen, dem all diese Risiken entweder nicht bekannt oder schlicht egal sind. Der monetäre Anreiz dürfte hier größer sein als die Liebe zum Kunden.

Am Ende landen solche Kunden – die das dann ratlose Studio wegschickt – bei seriösen Kollegen, die solche Geschichten bestens kennen.

„Ich will aber unbedingt Cheeks“ – Hier ist die Alternative:

Dermal Anchor in der Wange.

Ein Implantat in der Wange – sieht besser aus, macht keines der oben genannten Probleme und hinterlässt eine kaum merkliche Narbe. Der Nachteil ist eben, dass Implantate nicht für immer halten, wenngleich doch für einige Jahre.

Abheilung und Pflege:

Der Heilungsprozess eines Dermal Anchor Cheek Piercings variiert von 3 bis 5 Monaten bis zur vollständigen Heilung, selten dauert es noch länger. Wie andere äußere Piercings, sollte es mindestens in den ersten 3 Wochen zweimal täglich mit ProntoLind-Spray gereinigt und danach mit ProntoLind-Gel bestrichen werden. Wichtig hierbei ist, die gepiercte Stelle sowie das Piercing nur mit gewaschenen und desinfizierten Händen anzufassen. Desinfektionsmittel auf Alkohol- oder Chlorbasis sollten vermieden werden.