Ein Tragus-Piercing ist ein Piercing des Tragus in der Ohrmuschel. Es handelt sich dabei um den kleinen, dickeren Knorpelteil am Eingang des Gehörkanals.

Ein Piercing durch den dem Tragus gegenüberliegenden Knorpelfortsatz wird als Anti-Tragus-Piercing bezeichnet.

Für den Einsatz ist ein kleiner Ball Closure-Ring oder ein Labret-Stecker geeignet. Letzterer ist beim Ersteinsatz mit Überlänge zu berechnen, da mit einer Schwellung des Gewebes zu rechnen ist.

Man kann gegenüber dem Tragus auch das sogenannte Anti-Tragus stechen.

Stechen:

Je nach Präferenz des Piercers kann eine gerade oder gebogene Venenverweilkanüle verwendet werden.

Die Möglichkeit des Dermal Punches besteht ebenfalls, wird jedoch nur von wenigen Piercing-Studios durchgeführt. Wir punchen nicht mehr.

Das Tragus-Piercing wird mit normaler Piercing-Nadel gestochen.

Das Knorpelgewebe an dieser Stelle ist dünner als beim Conch-Piercing, wird jedoch Aufgrund der sehr kleinen und engen Stelle beim Stechen und besonders beim Einsatz des Piercing-Schmucks stärker belastet. Hierbei ist zu beachten, dass der Einsatz eines Ringes als Erstschmuck schmerzhafter ist als der eines Steckers. Das Dehnen des Stichkanals ist möglich, jedoch sehr unüblich. Zu Blutungen kommt es während und nach dem Stechen nur geringfügig, da die Stelle von verhältnismäßig wenig Bindegewebe umgeben sein wird.

Heilung und Pflege:

Der Heilungsprozess eines Tragus-Piercings variiert von 3 bis 8 Monaten bis zur vollständigen Heilung, selten dauert es noch länger. Wie andere äußere Piercings, sollte es mindestens in den ersten 3 Wochen zweimal täglich mit ProntoLind-Spray gereinigt und danach mit ProntoLind-Gel bestrichen werden. Wichtig hierbei ist, die gepiercte Stelle sowie das Piercing nur mit gewaschenen und desinfizierten Händen anzufassen. Mit der richtigen Pflege und den richtigen Pflegemitteln kann dem bei Knorpel-Piercings gern auftretenden Wildwuchs (auch wildes Fleisch genannt) entgegengewirkt werden. Desinfektionsmittel auf Alkohol- oder Chlorbasis sollten vermieden werden.

Gefahren und andere Geschichten:

Folgendes bekommt man oft zu lesen, was aber einfach falsch ist:

„Da am Außenring des Tragus der Nervus-Facialis verläuft, endet ein Fehler beim Stechen mit einer nicht rückgängig zu machenden Gesichtslähmung. Personen mit kleinem Tragus sollten sich daher diese Art des Piercings sehr gut überlegen.“

Hierbei handelt es sich jedoch um eine sogenannte „Urban Legend“, also einfach nur Quatsch – die Behauptung stimmt einfach nicht. Die in diesem Bereich verlaufenden Gesichtsnerven liegen nah am Knochen oder unter den Muskeln und werden daher durch einen Tragus-Stichkanal nicht beschädigt oder beeinträchtigt

Vertikal-Tragus

Als Variation zum normalen und bekannten Tragus-Piercing kann man den Tragus auch der Länge nach und damit vertikal piercen, wenn die Anatomie es zu lässt.

Der sogenannte Vertikal-Tragus wird dann mit einer Banane als Piercing geschmückt.

Alternativ bevorzugen manche das Surface Piercing neben dem Tragus. Es verläuft ebenfalls vertikal, aber nicht durch den Tragus, sondern direkt daneben.